EchnaTao
Echnaton und Tao
Wir leben in einer Zeit des Wandels, des Umbruchs und eines allgemeinen Werteverlusts.
In jeder Krisenzeit zeigen sich zwei Tendenzen: Entweder man hält am Alten fest oder man schwimmt mit dem Strom und akzeptiert die Veränderung.
Im Chinesischen bedeutet das Wort „Krise“ sinngemäß: „Gefahr, die eine Chance in sich trägt.“
Sind es nicht gerade Krisen, die den Menschen dazu bringen, sein Leben zu hinterfragen – Momente, in denen er offen wird für neue Perspektiven?
Eine Perspektivenänderung stellt der „Weg der Befreiung“ dar. Er wird in verschiedenen spirituellen Strömungen beschrieben und zeichnet sich dadurch aus, dass man sich vom ständigen Urteilen löst und die Welt stattdessen bewusst beobachtet. Dieser Weg kann auch als Weg der „Achtsamkeit“ beschrieben werden.
Durch unvoreingenommene Beobachtung kann eine neue Wahrnehmung des Daseins und seiner Lebensgesetze entstehen. Diese erneuerte Wahrnehmung eröffnet prozesshaft ein immer tieferes Verständnis des Weltgeschehens und ermöglicht es dem Menschen, hinter der Oberfläche der Erscheinungen Metaebenen und Einsichten zu entdecken.
EchnaTao möchte einen Raum schaffen für diesen „Weg der Befreiung.“
Echnaton und Tao – Schon am Klang spürt man die Verwandtschaft dieser beiden Worte: Echnaton – „Der dem Aton gefällig ist.“ Der legendäre Pharao führte als spiritueller Reformer den Sonnengott Aton als einzige göttliche Macht ein. Seine kurze Herrschaft hinterließ ein Zeichen für den Mut zu innerer Wahrheit.
Echnaton identifizierte Aton zwar mit der Sonnenscheibe, aber die Hymnen an Aton zeigen klar, dass er nicht einfach die physische Sonne verehrte, sondern eine kosmische, geistige Schöpferkraft, die sich durch die Sonne manifestiert.
Die Darstellung mit Strahlen, die kleine Hände tragen, zeigt:
→ Die Sonne ist das Medium, durch das Aton wirkt.
→ Das Göttliche selbst bleibt unsichtbar und unzugänglich außer durch dieses Licht.
Das ist eine sehr ungewöhnliche Abstraktion im Vergleich zur alten ägyptischen Götterwelt.
In der Theosophie, Alchemie und Hermetik steht die „spirituelle Sonne“ für das innere Licht – den geistigen Urkern im Menschen. Die alte hermetische Weisheit, die bereits eine Synthese aus ägyptischer Mysterienweisheit und griechischer Philosophie war, findet einen besonderen Ausdruck in dem zentralen Gedanken:
„Was unten ist, gleicht dem, was oben ist, und was oben ist, gleicht dem, was unten ist, damit die Wunder des Einen sich vollziehen“
Dieser Gedanke lässt folgende Deutung zu:
Das Göttliche und die Strukturen des Universums spiegeln sich im Menschen. Wer sich selbst kennt, versteht gleichzeitig das Weltgeschehen und die kosmischen Zusammenhänge. Selbsterkenntnis ist also kein Selbstzweck, sondern der Weg, den geistigen Urkern zur Entfaltung kommen zu lassen.
„Unten“ umfasst alles irdische und materielle Sein, das als Manifestation des Geistes verstanden wird. Die Schöpfung ist demnach ein Abstieg aus dem reinen Geist in die Materie.
Die Evolution des Menschen und des Kosmos zielt auf einen Aufstieg zurück zum Ursprung – dem „oben“ – eine Wiedergeburt durch Erkenntnis, Reinigung und innerer Transformation.
Dieses Prinzip ist universell und taucht in vielen Kulturen auf.

Die Sonnenscheibe Atons, dargestellt mit Strahlen in Form von kleinen Hände, sind ein einzigartiges Symbol in der ägyptischen Ikonographie. Es betont auch die direkte, lebensspendende Kraft des Sonnengottes, ohne Vermittlung durch andere Götter.
Gleichzeitig kann es als helfende und vermittelnde geistige Kraft verstanden werden, die den Menschen berührt und an seine göttliche Herkunft erinnert. Eine geistige Verwandtschaft dieses Gedankens findet sich auch in der Bibel, etwa in Psalm 138: „Das Werk deiner Hände wirst du nicht lassen.“
Im ägyptischen Totenbuch – es ist eigentlich kein Buch des Todes, sondern ein Buch des Lebens — wird der Weg in die Unsterblichkeit symbolhaft beschrieben. Darin geht es um das ewige Weiterleben in Wahrheit, Reinheit und Harmonie mit der göttlichen Ordnung. – Die Vereinigung mit der Sonne (Re) bzw. mit Osiris.
Was nun hat Tao mit den ägyptischen Mysterien zu tun?
Die eine alles umfassende Wahrheit, der Sonne vergleichbar, die für alle strahlt, hat sich niemals auf ein bestimmtes Land oder auf ein bestimmtes Volk beschränkt. Sie ist universell und will überall in der Welt zur Offenbarung gebracht werden. Das geschah nicht allein in Ägypten, Palästina, Persien und Griechenland, sondern auch im China des Lao Tse, und zwar mit dem Tao Teh King. Die hierin enthaltene Weisheit ist aktueller denn je, wie z. B. im Kap. 31:
„Die besten Waffen sind Instrumente des Unheils. Sie, die Tao besitzen, halten sich damit nicht auf.“
Oder Kap. 33:
„Wer andere Menschen überwindet, ist stark. Aber wer sich selbst überwindet. Ist allmächtig.“
Auch in der Weisheit Lao Tses geht es um Selbst- und Welterkenntnis und schließlich um das Aufgehen in Tao. In das Unnennbare – Göttliche.
So heißt es denn in Kap. 32:
„Alles kehrt zu Tao zurück wie die Bergflüsse zu den Strömen und Meeren.“
Es gab schon immer das Bestreben, die Weisheit der verschiedenen Kulturen zu einem Netzwerk zu verbinden.
So fand nicht erst mit Johann Wolfgang Goethes „West-östlichem Divan“ ein intensiver geistiger und philosophischer Austausch zwischen West und Ost statt. Schon in der Antike suchten bedeutende Religionsstifter und Denker den Kontakt zu anderen Kulturen, um ihr Wissen zu erweitern und spirituelle Einsichten zu vertiefen. So soll etwa Pythagoras in Ägypten und Babylon studiert haben, Buddha über die Grenzen Indiens hinausgewirkt und Zarathustra Ideen entwickelt haben, die später das jüdische, christliche und islamische Denken beeinflussten. Goethe knüpfte mit seinem „West-östlichen Divan“ bewusst an diese Tradition an: Er sah im Dialog zwischen Orient und Okzident nicht nur eine literarische, sondern eine universale Aufgabe — die Verständigung zwischen den Kulturen durch Kunst, Sprache und Geist.
In dieser Tradition möchte EchnaTao einen spirituellen Austausch über geografische und mentale Grenzen hinweg fördern und den gemeinsamen Kern verschiedener spiritueller Strömungen aller Zeiten in einfacher, verständlicher Sprache vermitteln.
Eine Möglichkeit des spirituellen Austauschs bieten die „Spirituellen Marokkoreisen“, zu denen Sie herzlich eingeladen sind. Diese Reisen können zu innerer Einkehr und zu neuen Perspektiven anregen.
Viel Freude beim Lesen wünscht
Ihre EchnaTao Redaktion
Uwe Döpel
Der Reiseleiter
Uwe Döpel erblickte das Licht der Welt zu einer Zeit, als man in Deutschland die Milch noch in Kannen beim fahrenden Milchmann holte und Brötchen nur zehn Pfennig kosteten.
Mit 18 Jahren machte er sich per Anhalter auf den Weg nach Lappland – in die letzte Wildnis Europas, den Sarek-Nationalpark. Es folgte ein zweijähriger Einsatz für den Naturschutz in der Lüneburger Heide und an der Nordseeküste.
Schließlich begann er das Biogeographie-Studium in Saarbrücken. Während des Studiums unternahm er gemeinsam mit einem Kommilitonen eine Reise nach Indien, die sie auf eine Wanderung quer durch den Himalaya führte – heute würde man von „Trekking“ sprechen.
So wie ein Zimmermann auf der Walz seine Fähigkeiten erweitert, vertiefte Uwe Döpel sein Studium der Botanik und Geographie in Göttingen. Die Studiererei wurde unter anderem ergänzt durch Klimatologie, Eiszeitforschung, Ökologie, Bodenkunde und Forstwissenschaft. Eine Studienarbeit führte ihn – erneut per Anhalter – von Göttingen in die zentrale Sahara, in das algerische Hoggar-Gebirge. Tätigkeiten als Reiseleiter für Naturstudien führten ihn nach Spanien und Rumänien. Die Diplomarbeit brachte ihn zurück zu den Gletschern Schwedisch-Lapplands.

Nach dem Studium stieg er ins praktische Berufsleben ein und gründete ein Büro für Landschaftsplanung.
Stets blieb genügend Zeit, andere Länder und Kulturen kennenzulernen. So wurden im Laufe der Jahre über fünfzig Länder auf fünf Kontinenten bereist – Marokko, mit seinen faszinierenden Landschaften und Bewohnern, zählt dabei zu den persönlichen Favoriten.
Im Hintergrund der Reisen standen grundlegende Fragen: Wie gestalten andere Kulturen ihr Dasein, und worin unterscheiden sich ihre Lebensthemen von denen der westlichen Welt?
Schon seit seiner Jugend beschäftigt sich Uwe Döpel mit den religiösen Strömungen verschiedener Kulturen und entdeckte dabei, dass sie trotz aller Unterschiede auf einem gemeinsamen Kern basieren.
Die Idee der spirituellen Marokkoreisen besteht darin, die Wahrnehmung für das Sichtbare und das Verborgene zu verfeinern – in der Natur, den Landschaften, der Kultur und schließlich in uns selbst.
